Aus dem Editorial….
Hempfling also. Ich gebe zu, dass ich den Mann immer mit einer gewissen Skepsis betrachtet habe. Und seine schillernde Vita ist durchaus dazu angetan, Zweifel wach zu halten. Dass er und seine Arbeit mit Pferden dennoch immer (wieder) begeistern, ist ein Phänomen, dem nachzuspüren sich allerdings lohnt. Nicht aus praktischen Überlegungen („Wie kann ich mein Pferd dazu bringen, dies oder das zu tun?“) – sondern aus ganz prinzipiellen, ja existenziellen Beweggründen. Warum faszinieren uns Pferde? Warum suchen wir ihre Nähe? Warum plagen wir uns teilweise ein Leben lang, sie zu ergründen?
Wir sind nicht mehr auf ihre Arbeitskraft angewiesen, Waren- und Personentransport haben sich längst vom Pferd entkoppelt, und auch der Pferdesport ist keine hinreichende Erklärung für die Bedeutung, die das Pferd in unserer westlichen Kultur nach wie vor hat. Allein mit Tradition, Erhaltung der Artenvielfalt oder Sentimentalität lässt sich der Stellenwert des Pferdes nicht erklären. Da steckt mehr dahinter: nicht weniger als das Ganzwerden des Menschen, die Rückbindung an seine natürlichen Wurzeln. Seit der Mensch sich seiner selbst bewusst wurde, reflektiert er seine Stellung in der Welt und strebt gleichzeitig nach Transzendenz, nach Überwindung seiner Grenzen – zu höheren Wesen, aber auch zu seinen Mitwesen, den Tieren. Tiersprachen zu verstehen ist ein alter Menschheitstraum, in Harmonie mit der Natur zu leben eine Sehnsucht, die tief in uns verwurzelt ist. Und nie waren wir in der westlichen industrialisierten Welt dieser Harmonie so fern wie heute. „Der Mensch empfindet mehr oder weniger große Entfremdung von eigentlich allen Lebensräumen, er sehnt sich nach Authentizität, nach Nähe zu sich selbst und zu seiner Umwelt.“* Hempflings Verdienst ist es, die Rolle des Pferdes in diesem Prozess der Selbstwerdung aufzuzeigen und einen Weg zu weisen, wie wir uns selbst über das Pferd und mit dem Pferd näher kommen können. „Wenn nicht zusammen und in Gemeinschaft mit dem Pferd, jenem Ursymbol des menschlichen inneren Erhebens und Wachsens, wann dann sollten wir uns als Individuum aufmachen, das Geschenk des Lebens endlich anzunehmen, das da heißt: Authentizität und Verbundenheit?“ Wer Hempflings neues Buch als Praxisanleitung zur Pferdedomestikation versteht, geht fehl. Wer sich aber darauf einlässt, kann viel gewinnen.
Mag. Eva Morawetz, Chefredakteurin
Hier können Sie den vollen Artikel lesen..


